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Wenn Maschinen zeigen, was benötigt wird: IoT hilft Unternehmen, bessere Entscheidungen zu treffen
Juni 16, 2026
Umsatz um zweistellige Prozentwerte steigern, Beschwerden um ein Fünftel reduzieren oder den Energieverbrauch beim Bierzapfen um fast ein Drittel senken und gleichzeitig den Geschmack verbessern: All das macht das ´Internet of Things´ möglich. „IoT liefert die Daten, mit denen sich nahezu jedes Geschäftsproblem lösen lässt“, sagt Petr Blabla, Leiter von Adastra Lab.

Was passiert eigentlich mit Plastikflaschen, die im gelben Container landen? Fast ein Fünftel kommt in Recyclingzentren an, knapp 40 % landen auf Wertstoffhöfen und in Sortieranlagen. Fast 12 % der PET-Flaschen werden jedoch direkt auf Deponien entsorgt. Weitere 4 % landen an anderen Orten, etwa auf Feldern, an Tankstellen oder in der Nähe von Wohnhäusern.
Diese Ergebnisse stammen aus einem Experiment, das das tschechische Umweltministerium bei Adastra Lab in Auftrag gegeben hat. Ziel war es, den tatsächlichen Stand des Recyclings zu ermitteln. Dafür wurden IoT-Chips eingesetzt, die Standortdaten aus den Flaschen sendeten. Das Projekt wurde bei den EUTECH SDG Awards 2024 ausgezeichnet und zeigt eine von vielen Anwendungsmöglichkeiten der IoT-Technologie.
„Für einen Kunden in Lateinamerika haben wir eine ähnliche Lösung entwickelt. Sie sollte aufdecken, wie neue Reifen von Regierungsfahrzeugen auf den Schwarzmarkt gelangten“, sagt Petr Blabla, Leiter von Adastra Lab, über ein weiteres Projekt. Dieses „Detektivprojekt“ wurde am Ende zwar nicht umgesetzt. Es zeigt aber gut, dass die Einsatzmöglichkeiten von IoT-Technologien nahezu unbegrenzt sind.
„Sie liefern Unternehmen die Daten, die sie brauchen, um unterschiedlichste Geschäftsprobleme zu lösen. Die Technologie lässt sich auf fast alles anwenden. Wir erhalten regelmäßig Anfragen, die selbst uns überraschen. Meistens suchen Kunden jedoch nach mehr Effizienz, etwa im Vertrieb, in der Logistik, im Fabrikbetrieb, in der Lagerverwaltung oder im Abfallmanagement“, erklärt Blabla.
Genau auf das Problem zugeschnitten
Adastra Lab, Teil des Technologieunternehmens Adastra Group, bietet IoT-Services von der Analyse bis zur Implementierung. Das Team entwickelt Lösungen, die genau auf das jeweilige Problem zugeschnitten sind. Je nach Projektumfang liegen die Kosten laut Petr Blabla bei etwa 1.000 EUR bis hin zu mehreren Hunderttausend Euro.
Kern jeder Lösung ist eine IoT-Plattform. Sie funktioniert im Prinzip wie ein Data Warehouse, das Daten aus dem entwickelten Ökosystem verarbeitet. Die Daten liefern IoT-Chips. Das Spektrum reicht von einfachen Bewegungssensoren bis zu komplexeren Multisensor-Geräten, die rund 1.500 EUR kosten.
„Für Convenience Stores stellen wir zum Beispiel Systeme mit günstigen Sensoren bereit, die Produktmengen in Regalen messen. So wissen Kunden, ob genügend Ware am richtigen Ort platziert ist und wann sie sich am besten verkauft. Auf dieser Basis können sie Nachschub und Bestellungen optimieren oder Mitarbeiterschichten planen“, erklärt Petr Blabla.
Komplexere und teurere Smart-Retail-Lösungen können die gesamte Customer Journey in stationären Filialen abbilden. Sie liefern Daten, wie sie E-Commerce-Unternehmen aus dem Onlinegeschäft kennen. Dafür kombinieren sie Smart Displays, Waagen und Deckensensoren. Diese erkennen demografische Merkmale wie Geschlecht oder Altersgruppe mit einer Genauigkeit von bis zu 95 %, ohne Gesichtserkennung einzusetzen.
Das System im Store kann dann zum Beispiel erkennen: Steht ein Kunde zehn Sekunden vor einem Produkt und beschäftigt sich weitere zwanzig Sekunden damit, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er mehr darüber erfahren möchte. Das System kann daraufhin Verkaufspersonal informieren und so die Conversion Rate erhöhen. Oder es spielt personalisierte Inhalte auf nahegelegenen Bildschirmen aus, die genau auf diesen Kunden zugeschnitten sind.
Mehr LEGO-Sets und Frozen Drinks
„Wenn die richtigen Produkte am richtigen Ort platziert werden, steigert das bei einigen Kunden den Umsatz um 20 bis 40 %. In einzelnen Fällen hat sich der Umsatz sogar verdoppelt. Zusätzlich können Unternehmen im Marketing und bei der Bestandsoptimierung sparen“, ergänzt der Leiter der IoT-Sparte von Adastra.
Das Unternehmen entwickelt ähnliche Projekte nicht nur für Handelsketten, sondern auch direkt für Marken. Ein Beispiel ist The LEGO Group. Das Unternehmen wollte den Absatz von Baukästen für Mädchen steigern und prüfte zusätzliche Platzierungen im Store. „Am Ende wurde die Friends-Produktlinie, die sich vor allem an Mädchen richtet, zum Weihnachtsbestseller“, sagt Blabla.
Für Jägermeister arbeitete Adastra an der Einführung gefrorener Mini-Flaschen für unterwegs. Sie waren Teil der „Ice Cold“-Kampagne, die die ideale Serviertemperatur von -18 °C für den Kräuterlikör bewirbt.
„Da Menschen normalerweise keinen gefrorenen Alkohol kaufen, musste die Marke im Grunde das Kaufverhalten der Kunden verändern. Gemeinsam haben wir untersucht, welche Strategie am besten funktioniert. Wir haben verschiedene Arten von Kühltruhen und Produktplatzierungen in großen Supermärkten, kleineren Geschäften und Tankstellen getestet. Auf Basis der Ergebnisse konnte Jägermeister Kampagnen dann mit dem richtigen Investitionsniveau planen, um den größtmöglichen Ertrag zu erzielen“, erklärt Petr Blabla.
„Mit solchen Daten können Unternehmen bestimmen, in welcher Saison, an welchem Wochentag und sogar zu welcher Uhrzeit die Chance auf einen erfolgreichen Verkauf am höchsten ist“, ergänzt er.
Die Bremsen im Blick haben
In der Logistik konzentriert sich Adastra Lab besonders häufig auf Traceability, also die Nachverfolgung von Produkten und Paletten im Warentransport. Bei einem Kunden senkte der Einsatz sogenannter Smart Pallets die Palettenverluste um 30 %. So konnte das Unternehmen die Kosten für Ersatzpaletten deutlich reduzieren.
Ein weiteres häufiges Problem sind Reklamationen in Lieferketten, die durch verlorene oder beschädigte Ware entstehen. Erfahrungen von Kunden zeigen: Mehr Transparenz und bessere Überwachung können Beschwerden um bis zu ein Fünftel reduzieren.
Ein Kunde wollte zum Beispiel herausfinden, warum Lkw regelmäßig mit umgestürzten Paletten am Ziel ankamen. Die Frage war, ob die Ursache im Handling an Umschlagplätzen lag oder im Fahrstil der Fahrer. Um die Empfindlichkeit der Sensoren zu kalibrieren, wurden verschiedene Kurven- und Bremsmuster getestet.
„Wir haben untersucht, wie gestapelte Paletten auf langes Bremsen im Vergleich zu mehreren kurzen Bremsvorgängen reagieren. Dabei zeigte sich: Die Paletten kippten nach längerem Bremsen, gefolgt von drei schnellen Bremsvorgängen. Das System kann dann Hinweise auf riskantes Fahrverhalten senden und Empfänger warnen, dass Paletten möglicherweise umgestürzt sind“, sagt der Leiter von Adastra Lab.
IoT-Sensoren lassen sich auch in der Fertigung praktisch einsetzen. Dort ermöglichen sie die laufende Überwachung von Produktionslinien, Materialbeständen und Qualitätskontrollen. Auch hier gilt: Sensoren können so konfiguriert werden, dass sie nahezu alles erfassen.
„Dadurch kann das System einen digitalen Zwilling der gesamten Fabrik und ihrer Abläufe erstellen.“
„Sie können die Effizienz von Produktionslinien überwachen und die Daten für Predictive Maintenance nutzen. So lassen sich Produktionsausfälle vermeiden“, erklärt Petr Blabla.
„Außerdem entstehen dabei zusätzliche Erkenntnisse. Zum Beispiel zeigt sich, dass zwei von fünf Gabelstaplern ungenutzt herumstehen, weil sie nicht gebraucht werden. Oder das System erkennt, wenn Mitarbeitende in Fabriken oder Lagern gegen Arbeitsschutzregeln verstoßen“, ergänzt er.
Adastra Lab trug auch zur Innovation rund um eines der bekanntesten tschechischen Produkte bei: Bier. Das Unternehmen unterstützte Plzeňský Prazdroj bei der Entwicklung des Smart-Tap-Projekts. Eine speziell entwickelte Lösung überwachte dabei alles von der Biertemperatur und dem Wasserfluss bis zum Stromverbrauch. Außerdem erstellte das Team einen digitalen Zwilling des Zapfsystems, um effizientere Betriebseinstellungen zu identifizieren.
„Ziel ist es, eine Zapfmethode zu finden, die 30 % energieeffizienter ist und gleichzeitig den Geschmack durch richtige Rohrreinigung und Kühlung verbessert. Und als Tschechen liegt uns das natürlich besonders am Herzen“, sagt Petr Blabla lächelnd.


