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Petr Zelenka: Schluss mit der KI-FOMO

Mai 28, 2026

Laut Gartner werden KI-Agenten innerhalb von zwei Jahren 15 Prozent der täglichen Geschäftsentscheidungen in Unternehmen treffen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass Unternehmen, die in die Datenvorbereitung und Analytik für die Einführung von KI-Tools investieren, bis zu 65 Prozent bessere Ergebnisse erzielen – von Umsatzsteigerungen bis hin zu Kosteneinsparungen.

„Allen ist klar, dass künstliche Intelligenz die Arbeitsweise von Unternehmen stark verändern wird“, sagt Petr Zelenka, CEE Lead der KI-Sparte beim Technologieunternehmen Adastra. Das Unternehmen ist auf die Entwicklung fortschrittlicher Lösungen spezialisiert, vernetzt KI-Teams weltweit und treibt Adastras KI-Geschäftsentwicklung auf globaler Ebene voran.

Petr Zelenka: Get rid of AI FOMO

KI verändert die Geschäftswelt. Unter dem Druck von Berichten über die erstaunlichen Fähigkeiten moderner Tools geraten Unternehmen schnell in Panik, den Anschluss zu verlieren. Zelenka warnt vor einer Falle, in die viele Unternehmen dadurch tappen: Aus dem ´FOMO` Gefühl heraus stürzen sich einige Unternehmen kopflos in diverse Projekte, die schnelle Ergebnisse versprechen: „Das Ergebnis sind viele unkontrollierte und teure Projekte, die nie echte Wirkung erzielen“, warnt Zelenka. „Erfolgreiche Unternehmen dagegen gehen fast kühl systematisch vor. So verschwenden sie kein Geld für etwas, das sie nicht zu Ende bringen können“, ergänzt er.

„Es ist Zeit, in diesem Wettlauf kurz anzuhalten, durchzuatmen und zu prüfen, was nötig ist, damit KI nicht nur ein Assistent in einzelnen Prozessen bleibt. Sie muss zu einer neuen operativen Ebene werden, die das gesamte Unternehmen effizienter macht“, erklärt er.

Laut Gartner schenken nur vier von zehn Unternehmen diesen Grundlagen ausreichend Aufmerksamkeit. Eine Umfrage aus dem vergangenen Jahr zeigte außerdem: Nur knapp die Hälfte der laufenden digitalen Initiativen erreicht oder übertrifft die erwarteten Geschäftsziele.

Google und Ipsos liefern in ihrem Bericht „The Path to AI Fluency“ vom Februar weitere Zahlen aus den USA: 40 % der Beschäftigten nutzen KI am Arbeitsplatz. Doch nur 5 % zählen zu den „fortgeschrittenen“ Nutzern, die KI-Tools wirklich einsetzen können, um Effizienz und Produktivität zu steigern.
Die Untersuchung von Ipsos und Google zeigt außerdem: 27 % der Unternehmen stellen ihren Mitarbeitenden KI-Tools bereit, geben ihnen aber keine Anleitungen, Leitfäden oder Regeln an die Hand. Weitere 37 % der Unternehmen geben zwar Leitlinien vor, stellen aber keine geeigneten Tools bereit. Nur 22 % der Unternehmen bieten beides.

Grundlagen schaffen

Petr Zelenka ergänzt: Die KI-Strategie darf nicht allein in der IT-Abteilung liegen. Die Geschäftsführung muss eng eingebunden sein. Das ist besonders wichtig, weil KI heute direkt mit der gesamten Geschäftsstrategie verknüpft ist.

Als Beispiel nennt er die NLB Group mit slowenischen Wurzeln. Sie ist eine führende Bank- und Finanzgruppe mit Hauptsitz in Südosteuropa und strategischem Fokus auf diese Region. Ihr Gewinn liegt bei umgerechnet mehr als 12 Milliarden tschechischen Kronen. Adastra unterstützte die NLB Group als einer der Partner bei diesem strategischen Wandel.

Die Gruppe beschäftigt mehr als 8.000 Menschen, die bereits Erfahrung mit Tools wie Microsoft Copilot hatten. Ziel war jedoch der nächste Schritt hin zu autonomeren und skalierbaren KI-Agenten. „Wir haben rund 500 Use Cases identifiziert, in denen KI-Agenten Arbeit beschleunigen und Mitarbeitenden Zeit sparen könnten“, sagt Dejan Pust, CIO der NLB Group.

„Gleichzeitig beobachteten wir am Markt vielversprechende Pilotprojekte, die wegen regulatorischer Vorgaben und Sicherheitsanforderungen im Bankensektor zurückgerollt werden mussten. Ihre teure Entwicklung begann danach wieder von vorn. Für uns war deshalb klar: Wir mussten zuerst ein Basissystem entwickeln, das alle Anforderungen erfüllt. Anschließend sollte es die Kosten senken und die Entwicklung einzelner Projekte beschleunigen“, erklärt Pust.

So begann man mit der Entwicklung einer Plattform – einer Art Backbone, über die das Unternehmen heute alle seine KI-Initiativen steuert. Sie ermöglicht die vollständige Kontrolle: von der Zugriffs- und Modellverwaltung über das Kostenmonitoring bis hin zur Prüfung jeder einzelnen Interaktion.

„Sie haben sich zuerst um den schweren, langweiligen Teil gekümmert, der auf den ersten Blick keinen großen Mehrwert bringt”, bemerkt Petr Zelenka und stellt fest, dass ein solcher Ansatz nicht üblich ist und Unternehmen häufig von der anderen Seite beginnen – mit Einzelprojekten.

„Diese erzeugen zwar anfängliche Begeisterung, aber die Ernüchterung folgt schnell. Projekte ohne eine Grundplattform stoßen nämlich häufig auf Probleme wie die Verfügbarkeit angemessen verankerter Daten oder sicherheitsrelevante, gesetzliche und regulatorische Anforderungen für die jeweilige Branche.”

Kosten und Grenzen kontrollieren

Eine gut aufgebaute Grundplattform ermöglicht es außerdem, die sogenannte Shadow-KI zu kontrollieren, bei der Mitarbeiter eigene Agenten an das Unternehmenssystem anschließen. Sowohl Pust als auch Zelenka sind der Meinung, dass es nicht ideal ist, den Mitarbeitern eigene Tools zu verbieten. „Es ist jedoch notwendig, die Kontrolle über jeden Punkt zu behalten, über den Tools in das System eingebunden werden”, betont IT- und KI-Architekt bei NLB Aleš Gorišek.

Die NLB Group baut neben dem System für eigene generative und agentische KI-Tools auch eine AI-Citizen-Plattform auf, an der Mitarbeiter Tools anschließen können, die ihre Arbeit erleichtern, aber keine internen Unternehmensdaten nutzen. „Für die Plattform braucht es immer eine saubere Governance, eine Art KI-Verfassung, die festlegt, welche Regeln Tools und Mitarbeitende beim Anschluss an das System einhalten müssen“, ergänzt Zelenka.

Der Aufbau ähnlich robuster Fundamente kostet beträchtliche Summen. „Es muss jedoch als strategische Investition gesehen werden und nicht nur aus der Perspektive kurzfristiger Rentabilität”, bemerkt Aleš Gorišek.

„In unserer Branche ist die Investition in den Aufbau eines KI-Systems vergleichbar mit der Investition in eine digitale Banking-Plattform. Am Ende wird sie eine ähnliche Effizienzsteigerung bringen“, sagt Dejan Pust. „Die tatsächliche Rendite lässt sich jedoch erst berechnen, wenn wir einzelne Projekte starten und skalieren. Das planen wir über einen Zeitraum von zwei bis fünf Jahren“, ergänzt er.

Die NLB Group konnte die Plattform in nur fünf Monaten aufbauen. Der Rollout weiterer Projekte und Innovationen soll nun in allen Unternehmen der Finanzgruppe schneller erfolgen, laut Gorišek sogar zehnmal schneller.

Zelenka weist darauf hin, dass Investitionen in einen strategischen KI-Ansatz auch einen Wettbewerbsvorteil bringen. Laut Gartner werden KI-Agenten bis 2029 80 % der routinemäßigen Kundenanfragen automatisch bearbeiten und die Kosten von Unternehmen um 30 % senken. Die Plattform der NLB Group wird schnellere Reaktionen auf Marktveränderungen ermöglichen, die Bewertung der Customer Experience verbessern und Daten stärker für Geschäftsentscheidungen nutzbar machen.

„Wir planen außerdem, Multi-Agent-Tools einzubinden, um die Effizienz weiter zu steigern. In ein bis zwei Jahren möchten wir so weit sein, dass Agenten auf Basis ihrer Entscheidungen auch Daten ändern dürfen. Dadurch können wir die Produktivität unserer Mitarbeitenden weiter erhöhen“, erklärt Dejan Pust.

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