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AI Agents: Wie Sie sich auf eine Zukunft vorbereiten, die längst begonnen hat

Mai 22, 2025

Welche Auswirkungen werden autonome Systeme auf Unternehmen, den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft als Ganzes haben? Wo verläuft die Grenze zwischen Experimentieren und echter strategischer Transformation? Und warum ist genau jetzt der ideale Zeitpunkt, um AI Agents ernsthaft in den Blick zu nehmen?

Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt des jüngsten AI VisionCast, der spannende Einblicke von dem international anerkannten KI-Experten Michal Pěchouček, Partner beim Venture-Capital-Fonds Evolution Equity Partners, bot. Mit ihm diskutierten Ondřej Vaněk, Chief AI Officer der Adastra Group, sowie Štěpán Kopřiva, CEO von Adastra Tschechien.

AI Agents: Das fehlende Puzzlestück der KI-Revolution

Ein AI Agent ist ein Softwaresystem, das seine Umgebung wahrnimmt, Entscheidungen trifft und selbstständig oder halbautomatisiert Handlungen ausführt, um ein definiertes Ziel zu erreichen. Keine Science-Fiction — solche Systeme automatisieren bereits heute Teile von Geschäftsprozessen bei Unternehmen wie Seznam.cz und Ataccama.

AI Agents sind der nächste logische Evolutionsschritt der künstlichen Intelligenz. Während KI bisher vor allem Datenanalysen, Einblicke und Empfehlungen lieferte, übernimmt sie nun auch die Umsetzung von Entscheidungen.

„Agents übernehmen die Aufgabe, die der klassischen KI bisher verwehrt blieb — die Fähigkeit zum Handeln“, so Ondřej Vaněk.

Praxisbeispiele: Wie Unternehmen AI Agents bereits einsetzen

Ataccama: Datenmanagement mit AI Agents

Ataccama setzt Agents ein, die innerhalb der Data-Quality-Plattform eigenständig Daten bereinigen und annotieren. Das Ergebnis: Deutlich schnellere Workflows, skalierbare Lösungen und eine gestärkte Wettbewerbsfähigkeit. Dieser Ansatz sichert Ataccama kontinuierlich eine Spitzenposition im Gartner Magic Quadrant.

„Ataccama versteht KI schon lange als strategischen Bestandteil seines Produktportfolios. In den vergangenen zwölf Monaten hat das Unternehmen auf Agent-basierte Implementierungen umgestellt, die zahlreiche Datenbereinigungs- und Annotationsprozesse vollständig autonom abwickeln. Das sorgt für enorme Beschleunigung und Skalierbarkeit — und hilft Ataccama, seine Führungsposition im Gartner Magic Quadrant zu behaupten“, erklärt Ondřej Vaněk.

Seznam.cz: Ein KI-Radio-Moderator auf Sendung

In den nächtlichen Sendestunden moderiert bei Seznam.cz inzwischen täglich für vier Stunden ein vollständig autonomer AI Agent. Dieser entscheidet:

  • welche Songs gespielt werden
  • welche Online-News transkribiert werden
  • und liest die Nachrichten mit synthetischer Stimme vor.

Ein erster Schritt auf dem Weg zu personalisiertem Radio für jeden einzelnen Hörer.

Softwareentwicklung: AI Copilots im Einsatz

Laut den Panel-Teilnehmern entfaltet KI ihr aktuell größtes wirtschaftliches Potenzial in der Softwareentwicklung:

  • Im 4. Quartal 2024 wurde bei Google bereits 25 % des gesamten Codes mithilfe von AI Copilots geschrieben — das ist zehnmal mehr als ursprünglich erwartet.
  • Salesforce berichtet von einer Reduzierung der Entwicklerkapazitäten um 30 % durch den Einsatz von AI Copilots.
  • Das Einsparpotenzial im Bereich Softwareentwicklung liegt weltweit bei rund 500–800 Milliarden US-Dollar jährlich.

Warum gerade jetzt?

Michal Pěchouček ist überzeugt: Sowohl die technologischen Voraussetzungen als auch die geschäftlichen Rahmenbedingungen sind inzwischen gegeben, um AI Agents breitflächig zu implementieren:

„Dank fortschrittlicher KI-Modelle verfügen wir nun über ein ‚Gehirn‘, das es Agents ermöglicht, eigenständig fundierte Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig gibt es einen klaren Business-Case: Agents übernehmen bereits heute konkrete Aufgaben, die bisher von Menschen erledigt wurden.“

Er unterstreicht, dass dies auch der Grund sei, warum künstliche Intelligenz immer präsenter und unverzichtbarer wird: „KI ist längst nicht mehr nur in Kühlschränken oder Kameras verborgen — sie wird mehr und mehr Teil unseres Arbeitsalltags.“

Zudem warnte er davor, die technologische Entwicklung einfach nur zu konsumieren: „Ich wünsche mir, dass Tschechien nicht in der Rolle des passiven Nutzers von KI-Technologien verharrt. Wir sollten über das reine Importieren hinausgehen, aktiv an der Entwicklung mitwirken und langfristig selbst ein Exporteur von KI-Innovationen werden.“

Wo anfangen? Klein starten, strategisch denken

Die Einführung von AI Agents ist nicht nur eine technologische Herausforderung — sie ist vor allem eine Führungsaufgabe. Ein einzelnes, gescheitertes Pilotprojekt reicht nicht aus. Die entscheidende Frage sollte lauten: Was tun wir als Erstes, Zweites und Drittes?

Der beste Ansatz ist es, mit einem kleinen, klar umrissenen Projekt zu starten, das schnell messbaren Mehrwert liefert („Quick Win“). Parallel dazu sollten Infrastruktur, Governance-Strukturen und eine langfristige Strategie aufgebaut werden, um das Unternehmen nachhaltig auf den Einsatz von KI vorzubereiten.

Die Zukunft: Spezialisierung, Interoperabilität, Autonomie

AI Agents werden sich von unterstützenden Tools zu einem zentralen Baustein der Unternehmensautomatisierung entwickeln. In den nächsten 5–10 Jahren sind Anwendungsfälle denkbar wie:

  • Karriere-Coach-Agent: Bewertet Ihre Fähigkeiten, Gesundheit und sozialen Beziehungen und empfiehlt Ihnen maßgeschneiderte Weiterbildung, Umschulung oder Jobwechsel.
  • Autonomer Einkäufer: Bestellt Ihre Lieblingspizza und bezahlt sie — ganz ohne, dass Sie eine Webseite öffnen müssen.
  • Developer-Agent: Kommuniziert mit anderen Agents, wählt in Echtzeit spezialisierte Modelle aus und optimiert dabei sowohl Leistung als auch Kosten.

Governance und Regulierung: Eine notwendige Basis

Im letzten Teil der Diskussion stand der verantwortungsvolle Einsatz von AI Agents im Fokus. Denn Agenten-Ökosysteme sind komplex, stark vernetzt und oft schwer durchschaubar. Unternehmen sollten deshalb:

  • Die Kontrolle über ihre Daten und Zugriffsrechte wahren.
  • Ihre IT-Architektur so gestalten, dass sie Anbieterabhängigkeiten (Vendor Lock-ins) vermeiden.
  • Den aktuellen KI-Governance-Standards sowie den Anforderungen der europäischen KI-Verordnung (EU AI Act) gerecht werden.

„AI Agenten sind zu mächtig, um unbeaufsichtigt zu bleiben. Sie erfordern eine ebenso sorgfältige Kontrolle wie Lebensmittel, Finanzdienstleistungen oder Medikamente“, betonte Michal Pěchouček.

Unternehmen, die sich frühzeitig — technisch, strategisch und kulturell — auf diese Entwicklung vorbereiten, werden einen klaren Wettbewerbsvorteil erzielen. Und AI Agents könnten ihnen schneller zur Seite stehen, als viele erwarten.

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